Einblicke und Ausblicke in den
Katholischen Kindergarten „Heilig Kreuz“

Familien und Kindergarten sind die beiden Lebenswelten, die ein Kind in den ersten Lebensjahren am meisten prägen. Diese Lebenswelten stärker miteinander zu verknüpfen, ist Ziel des Projektes „Stärkung der Erziehungskraft der Familien durch und über den Kindergarten“, das von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert wird und an dem wir seit Sommer 2003 teilnehmen.

Im Hinblick auf die Überforderungen durch die modernen Wissensgesellschaft und vor dem Hintergrund der Pisa-Studie ist der Eltern- und Familienbildung ein wachsender Stellenwert einzuräumen. Eltern, bei denen nach wie vor die vorrangige Verantwortung für die Erziehung der Kinder liegt, sind deshalb besser als bisher zu unterstützen. Ganz besonders über Tageseinrichtungen für Kinder lassen sich neue Wege erproben, um grundsätzlich allen Eltern Informationen zur Erziehung und Hilfen anzubieten.

Eine tragende Säule im Sinne der Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenzen sehen wir in einer gelingenden Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Kindergarten – Erziehungspartnerschaft verstanden als gemeinsame Verantwortung für die bestmögliche Entwicklung und Förderung des Kindes. Dies setzt Dialogbereitschaft voraus, eine klare und positive Haltung dem jeweils anderen Erziehungspartner gegenüber und damit eine Anerkennung der jeweiligen Expertenrolle: Eltern als Experten der Lebenssituation der Familien sowie des häuslichen Aufwachsens der Kinder und den Erzieherinnen als Experten der öffentlichen Erziehung sowie der Lebenssituation im Kindergarten.

Am Anfang des Projektes stand eine ausführliche Situationsanalyse. Dabei wurde ermittelt, was es bereits an Kooperationen mit Eltern und an regelmäßigen Angeboten gibt. Darauf aufbauend wurden unter Einbeziehung der Eltern Ziele definiert, die in der derzeitigen Gestaltungsphase umgesetzt werden. Zum Ende des Projektes, im Sommer, wird reflektiert, was erreicht wurde und wohin der Weg weitergehen soll.

Wie nun in unserem Kindergarten die Erziehungspartnerschaft zwischen Kindergarten und Elternhaus sich gestaltet, beschreibt eine Mutter zweier Kindergartenkinder:

Der multifunktionale Kindergarten

Kennen Sie diese Situation: Dienstag um 15 Uhr schnell mit dem Kind zum Sport in die Turnhalle fahren, Mittwoch 13 Uhr in die Musikschule, kaum Zeit zum Mittagessen. Großer Stress für die ganze Familie, aber was tut man nicht für die eigenen Kinder!

Die Kinder sollen schon vor der Schule vielseitig gefördert werden, ist eine der Pisa Schlussfolgerungen; die Kindergartenjahre spielen dabei eine entscheidende Rolle. Und so begeben sich viele Familien auf die Suche nach zusätzlichen Freizeitaktivitäten, welche die Fähigkeiten ihrer Kinder voranbringen. Für viele Regelkindergärten führte dieses Phänomen dazu, dass nachmittags wenig Kinder anwesend waren. Der Kindergarten Heilig Kreuz in Heilbronn-Böckingen hat das Problem zu Gunsten aller Betroffenen geschickt gelöst.

In Zusammenarbeit mit der Turngemeinschaft Böckingen gibt es seit einem Jahr einen Nachmittag in der Woche Turnen mit einem Übungsleiter der TGB. In absehbarer Zeit ist ein Nachmittag für die Musikalische Früherziehung vorgesehen. Bei diesem Pilotprojekt führt eine Lehrerin der städtischen Musikschule Heilbronn ihren Unterricht direkt im Kindergarten durch. Auch mit Hilfe der engagierten Elternarbeit hat sich das alternative Programm erweitert. 2004 lief einmal wöchentlich „Story time“. Erste Schritte in der englischen Sprache gab es anhand von Liedern und Spielen unter der Leitung einer amerikanisch sprechenden Mutter vom Kindergarten. Auch anschließend nach der Kindergartenzeit um 16 Uhr können Kindergartenkinder das Angebot des Kinderchores der Kirchengemeinde nutzen und die Eltern haben dadurch eine verlängerte Betreuungszeit.

Die Kinder sind somit in ihrer vertrauten Umgebung mit ihren Freunden und können an reizvollen Nachmittagsaktivitäten teilnehmen, die Eltern sparen sich das hin und herfahren und der Kindergarten ist nachmittags wieder voll.

Selbst für die Eltern der Kindergartenkinder wird ein interessantes Programm geboten: Yoga für die Eltern in den Räumen des Gemeindehauses mit Betreuung der Geschwisterkinder im Spielkreis. Die Eltern haben endlich Zeit zu entspannen und die kleinen Geschwister lernen schon ihre zukünftigen Kindergartenkameraden im Spielkreis kennen, was die spätere Integration erheblich erleichtert. Das Projekt wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg mitgetragen, für die Durchführung sind wieder Eltern und die Erzieherinnen verantwortlich. Demnächst findet sogar ein Elternkurs „Kess Erziehen“ zur Stärkung der Erziehungskraft in der Familie statt.

So verwandelt sich der klassische Kindergarten in eine multifunktionale Einrichtung, die fördernd und vielseitig alle Kräfte von innen (Erzieherinnen und Eltern) und von außen (Sportvereine, Musikschule, Weiterbildungsträger) an sich bindet.

M. Weber, C. Sanz-Albanese, 2005

2010-12-24 last Update